Achtung, Heiterkeit!

Andere countries, andere concepts
19. Oktober 2012
Ca-MUH-flage
9. Januar 2013
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Meine Damen und Herren, halten Sie Ihre Hüte fest: Es ist wieder Karneval im Rheinland! Alljährlich lässt man hier alle Hemmungen mit einer Selbstverständlichkeit fallen, über die der Rest der Republik nur staunen kann.

 

Für Zugereiste ist eine sichere Beherrschung der närrischen Terminologie für die erfolgreiche Integration von entscheidender Bedeutung. Darum sollen an dieser Stelle einige Schlüsselbegriffe des rheinischen Narrentums vorgestellt werden, mit denen Sie im weinseligen Getümmel (fast) nicht mehr auffallen.

 

Auch wenn die „fünfte Jahreszeit“ bereits heute eingeläutet wird, beginnt die heiße Phase am Donnerstag vor Rosenmontag. In Koblenz bezeichnet man diesen Tag, an dem sich die Damen gern scherenschwingenderweise an den Krawatten der Herren vergehen, als Schwerdonnerstag. Dies ist der große Tag der Möhnen, der grundsätzlich nur in Rudeln auftretenden närrischen Damenkomitees. Unter der Leitung einer Obermöhne ziehen sie durch die Stadt und halten am Nachmittag ihre Möhnensitzung ab (der Zutritt für Männer ist übrigens streng verboten).

 

In den nächsten sechs Tagen wird gefeiert und getrunken, werden Kamelle gefangen und die passenden Lieder zum Besten gegeben. Doch irgendwann kommt der Aschermittwoch, und mit ihm die kopfschmerzschwangere Erkenntnis, was man alles angestellt hat während der vergangenen wilden Tage. Doch die findigen Kölner wissen hier Abhilfe: Zu Beginn der närrischen Zeit wird über vielen Kneipen der Nubbel platziert, eine mannshohe Puppe, die prinzipiell an allen Verfehlungen während des Karnevals schuld ist. Der wird am Ende der Narrenzeit mitsamt den ganzen Sünden rituell verbrannt, und die Kölner gehen fromm und geläutert in die Fastenzeit.

 

PS: Machen Sie sich vor Besuch des Karnevals unbedingt mit eventuellen lokalen Eigenheiten vertraut. In Koblenz tritt man mit „Alaaf“ oder gar „Helau“ in ein Fettnäpfchen von der Tiefe des Bodensees. Die korrekte närrische Lautäußerung ist, natürlich, „Olau“!

Julia Helbig
Julia Helbig
Diplom-Übersetzerin & Diplom-Dolmetscherin für Deutsch, Englisch & Russisch | Allgemein beeidigt und ermächtigt | Mitglied des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) e.V.