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Es gibt eine Lektion, die alle Übersetzer und Dolmetscher schon früh in ihrer Ausbildung lernen: Ein Wörterbuch hilft nur begrenzt, wenn man sich intensiv mit einer fremden Sprache befasst. Oft genug stößt man auf Begriffe, für die es in der eigenen Sprache schlicht keine Entsprechung gibt. Einige besonders schöne wollen wir uns heute anschauen.

Entsprechungslücken entstehen häufig, weil ein bestimmtes Phänomen in einer Sprache gang und gäbe ist, in einer anderen aber fehlt oder unterentwickelt ist. So hatte das Deutsche eben wenig Anlass, sich ein Wort wie hanyauku zuzulegen: Dieses Wort beschreibt in der namibischen Bantu-Sprache Rukwangali das Laufen auf Zehenspitzen auf warmem Sand.

Oft gibt es in anderen Sprachen auch einfach Wörter für Dinge, die uns vertraut sind, die wir jedoch immer umschreiben müssen. Wie das russische Wort почемучка [počemučka]: Es leitet sich vom russischen Interrogativadverb почему („warum“) ab und beschreibt einen Menschen, der beständig Fragen stellt – also praktisch alle Kinder im vierten Lebensjahr.

Und dann gibt es Wörter, die so wunderbar sind, dass sie dringend eingeführt werden müssten. Warum zum Beispiel gibt es ausgerechnet in Deutschland, dem Land des Bieres, kein Wort dafür, draußen zu sitzen und ein Pils zu genießen? Wir sollten uns ein Beispiel an den Norwegern nehmen. Die haben die Bedeutung dieses Konzepts erkannt und ihm einen Namen gegeben: utepils.

Julia Helbig
Julia Helbig
Diplom-Übersetzerin & Diplom-Dolmetscherin für Deutsch, Englisch & Russisch | Allgemein beeidigt und ermächtigt | Mitglied des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) e.V.