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Foto: (c)Lieke Zett - Mondschein und Förde.

Heute geht es wieder um Konzepte und Phänomene, die wir im Deutschen umständlich beschreiben müssen, für die es aber in anderen Sprachen wunderbare Worte gibt.

 

Die Schweden gelten nicht gerade als die Romantiker unter den Europäern. Dabei beweisen sie in ihrem Wortschatz einen ungeahnten Sinn für bezaubernde Melancholie, zum Beispiel mit dem Wort mångata. Das ist eine Verbindung als måne (Mond) und gata (Straße) und beschreibt die Spiegelung von Mondlicht auf einem stillen Gewässer, die an eine glänzende Straße erinnert.

 

Weit weniger romantisch zeigen sich die Indonesier, die im heutigen Kleinen Gemischten Wortsalat mit dem Wort jayus vertreten sind. Kennen Sie das, wenn jemand einen (vermutlich von vorneherein nicht sonderlich guten) Witz erzählt, mit dem Ablauf ringt und am Schluss die Pointe derart gründlich in den Sand setzt, dass man schon fast wieder lachen muss? Das ist jayus.

 

Und noch einmal deutlich prosaischer sind die Japaner mit dem Wort 上げ劣り [age-otori]. Zwar habe ich mir sagen lassen, dass dieses Wort recht archaisch ist und nur sehr selten verwendet wird, aber seine Bedeutung ist zu schön, um sie hier nicht anzuführen. Age-otori ist, wenn man nach dem Friseurbesuch schlimmer aussieht als vorher. Konkret: wenn man sein Haar aufwendig für die Zeremonie zum Erwachsenwerden besonders schön zurechtmachen möchte und genau das Gegenteil erreicht.

 

Bildquelle: (c) Lieke Zett – Mondschein und Förde.

Julia Helbig
Julia Helbig
Diplom-Übersetzerin & Diplom-Dolmetscherin für Deutsch, Englisch & Russisch | Allgemein beeidigt und ermächtigt | Mitglied des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) e.V.