Die Pathologie des Alltags

Drei Wörter, mit denen Sie 2015 beim Galgenraten richtig abräumen
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Mehr als jede andere Fachsprache bietet die Medizin die Möglichkeit, sich in alltäglichen Situationen als höchst gebildeter (oder aber höchst überheblicher) Mensch darzustellen. Der Kleine Gemischte Wortsalat stellt heute drei Fachwörter vor, mit denen beides ganz vorzüglich gelingt.

 

„Warum kitzelt es eigentlich so in der Nase, wenn man in die Sonne schaut?“ sinniert die Freundin beim Winterpaziergang. Auch wenn Sie die Frage nicht beantworten können, so können Sie zumindest in bestem Oberlehrer-Ton anmerken, dass sie doch ganz gewiss den photischen Niesreflex meine.

 

Ist Ihnen gestern Abend vor dem Fernseher wieder der Arm eingeschlafen, den Sie zwischen Körper und Couch eingeklemmt hatten, mitsamt Taubheitsgefühl und unangenehmem Kribbeln? Das wird Ihnen nicht noch einmal passieren. Denn ab heute leiden Sie in diesem Fall schlicht und einfach und medizinisch korrekt an einer transienten Parästhesie.

 

Und auch mit der als „Futternarkose“ oder „Suppenkoma“ bekannten bleiernen Schläfrigkeit nach der Mittagspause ist ab heute Schluss. Denn wenn der Kollege morgen gegen 13:00 gereizt anmerkt, dass Ihr Schnarchen ihn vom Arbeiten abhält, können Sie von nun an überzeugend Ihre Unschuld beteuern: Schließlich leiden Sie ja beklagenswerter Weise am postprandialen Tief!

Julia Helbig
Julia Helbig
Diplom-Übersetzerin & Diplom-Dolmetscherin für Deutsch, Englisch & Russisch | Allgemein beeidigt und ermächtigt | Mitglied des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) e.V.