Flecktarn-Linguistik

Die Wortwarte
15. Oktober 2013
Hand aufs Herz
29. November 2013
Alle anzeigen

Im kasernenreichen Koblenz gehören sie zum Stadtbild: Soldaten. Man erkennt sie auf Anhieb, denn sie kleiden sich anders (primär in Grün), stehen anders (stramm) und, wenn man genau hinhört, reden sie auch anders. Allen Ungedienten und militärisch Unbeleckten soll an dieser Stelle ein kleiner Einblick in den Soziolekt des deutschen Heeres gegeben werden.

 

Irgendwo im Norden Afghanistans. Ein Zug Soldaten schickt sich an, auf Patrouille auszurücken. „Aufsitzen!“ bellt der Zugführer, obwohl weit und breit keine Pferde zu sehen sind, und fordert seine Mannen damit schlicht zum Einsteigen in das Panzerfahrzeug Typ Dingo auf.

 

Der Zug rückt aus, alles scheint friedlich. Doch dann: ein Hinterhalt! Das Gefecht beginnt, Kugeln fliegen hin und her, jede Menge Geknalle und Rauch. Plötzlich ist das Magazin leer, man will nachladen, korrigiere, aufmunitionieren, doch dann der Schock: Munition aufgebraucht! Die Situation ist aussichtslos, es bleibt nur eins: Rückzug. Wobei ein Soldat sich niemals zurückzieht, nein: er weicht lediglich aus!

 

Frustriert, aber nicht demotiviert, geht es zurück ins Lager. „Absitzen!“ bellt der Zugführer, und die Soldaten klettern aus dem Dingo. Noch eben Fahrzeug prüfen, Sandschutz anbringen und abmunitionieren, dann ist Feierabend. Und der Soldat begibt sich ermattet, aber pflichtbewusst, zu Feldbett.

Julia Helbig
Julia Helbig
Diplom-Übersetzerin & Diplom-Dolmetscherin für Deutsch, Englisch & Russisch | Allgemein beeidigt und ermächtigt | Mitglied des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) e.V.