O tempora, o lingua II

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Dass die deutsche Sprache kein stehendes, vom allwissenden Duden beherrschtes Konstrukt ist, hatten wir schon festgestellt. Im Gegenteil: Sie gibt sich dynamisch, flexibel und stets offen für Neuerungen. Viele Ausdrücke bleiben dabei auf der Strecke.

 

Einige Wörter aber sind hartnäckig. Sie sind Überlebenskünstler, die sich nicht einfach so verdrängen lassen, nein: stattdessen passen sie sich an und wandeln einfach ihre Bedeutung!

 

Wer früher seine Heimat verlassen musste, um woanders neu anzufangen, hatte es schwer – stets war er der Fremde, der Außenseiter. So wundert es nicht, dass das Wort Elend – vom althochdeutschen eli-lenti – seine Bedeutung von „Exil, Fremde“ immer mehr verlor und dafür den uns heute bekannten Sinngehalt „Unglück, Kummer“ erhielt. Und da sich die Fremden oft notgedrungen in eigenen Stadtvierteln sammelten, gibt es heute in Deutschland zahlreiche Orte, die eben diesen Namen tragen.

Julia Helbig
Julia Helbig
Diplom-Übersetzerin & Diplom-Dolmetscherin für Deutsch, Englisch & Russisch | Allgemein beeidigt und ermächtigt | Mitglied des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) e.V.