Wiener Schmäh und Gspassigkeiten

Ca-MUH-flage
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Gediegen, alpin und immer einen Tick kaiserlich-königlicher als Deutschland – die Österreicher wissen, was ihr Land zu bieten hat. Sie sind viel, aber keinesfalls „Piefkes“ (=Deutsche), und das wird zelebriert. Und wenn sie schon (prinzipiell) deutsch sprechen, dann wird die Sprache eben so lange bearbeitet, bis auch sie etwas ganz eigen Österreichisches ist – mit eigener Aussprache, Satzmelodie und einer enormen Bandbreite von Austriazismen. Damit Sie beim nächsten Opernball ein wenig mehr als Bahnhof verstehen, hier eine Handvoll alltäglicher Ausdrücke.

 

Ein stereotyper Tag in der österreichischen Hauptstadt. Gut erholt steht Wiener auf, duscht und schlüpft in Hose und Leiberl (=T-Shirt). Dann begibt er sich ins Kaffeehaus (=Café) seines Vertrauens, trinkt ein Häferl (=eine große Tasse) Melange und genießt dazu ofenfrischen Topfenstrudel (=Quarkstrudel) mit Schlagobers (Schlagsahne). Dann geht er schaffen, und nach Feierabend trifft er sich mit Freunden an der Copa Cagrana. Der Tag endet in guter Gesellschaft, man plaudert und tauscht sich aus, über die Skandale der Nationalratsabgeordneten, die heißesten Kneipen auf der Donauinsel und den neuesten Tratsch aus dem Grätzel (=Stadtviertel), bevor der Wiener wieder selig in sein Bett fällt.

 

Die Liste der Austriazismen ist lang, bunt, vielfältig und würde den Rahmen dieses Textes bei Weitem sprengen. Aber keine Bange: die meisten Österreicher sind des Hochdeutschen (weitestgehend) mächtig und nehmen sich eines sprachunkundigen Gastes freundlich und rücksichtsvoll an. Darauf an Obi g’spritzt (=Apfelschorle), wenn‘s recht ist!

Julia Helbig
Julia Helbig
Diplom-Übersetzerin & Diplom-Dolmetscherin für Deutsch, Englisch & Russisch | Allgemein beeidigt und ermächtigt | Mitglied des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) e.V.